Eytan Fox – schwule Revolution on-screen

Von Ursula Raberger

„Der Film mit den zwei schwulen Soldaten!“ oder Ähnliches hört man nicht selten, wenn hierzulande von Eytan Fox die Rede ist. Während die Arbeiten des offen schwul lebenden Regisseurs in Israel nicht nur homosexuellem Publikum bekannt sind, ist er im deutschsprachigen Raum vor allem mit seinem vielfach preisgekrönten Spielfilm „Yossi & Jagger“ im Gedächtnis des Filmpublikums geblieben. Dass der höchst produktive Fox aber schon seit den 1980er-Jahren die Filmlandschaft Israels aufwirbelt, wissen die Wenigsten. Seit nunmehr über 20 Jahren verzeichnet er auch außerhalb der israelischen Landesgrenzen große Erfolge – und das mit Filmen, die sich fast ausschließlich um junges, dynamisches schwules Leben drehen. Zeigt Fox‘ Erstlingswerk – der Kurzfilm „Time-Off“ (1990) – noch die Abgeschlossenheit eines ungeouteten Militäroffiziers auf der Suche nach schnellem Sex, werden seine Portraits homosexueller Männer im Laufe der 1990er-Jahre vielschichtiger und: offener. Kein Wunder, wird auch diese Ära in Israel von vielen als „gay decade“ bezeichnet. Denn in diesem Jahrzehnt wurden viele bahnbrechende (gesetzliche) Entscheidungen getroffen, die zum Erblühen einer lebendigen LGBTQ-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Queer) und somit zu größerem Selbstbewusstsein der Community geführt haben. Israel zählt übrigens weltweit zu jenen Ländern mit den liberalsten LGBTQ-Gesetzen und ist der einzige Staat im Nahen Osten, der Schwulen, Lesben und Transsexuellen gesetzlichen Schutz bietet. Ein Antidiskriminierungsgesetz wurde – auch in der israelischen Armee – eingeführt. Dana International sorgte mit ihrem unvergesslichen Sieg beim Eurovision Songcontest im Jahr 1998 für einen nie dagewesen Hype und einte sogar jene, die zuvor gegen die Teilnahme der transsexuellen Künstlerin gewettert hatten. Schon ein Jahr zuvor ließ Fox das Fernsehpublikum den Atem anhalten, als er in seiner TV-Serie „Florentine“ (1997 – 2000), die heute Kultstatus hat, den ersten schwulen Charakter in die israelischen Wohnzimmer katapultierte. Florentine, das Viertel im Süden Tel Avivs, beherbergt hauptsächlich junge, hippe Menschen, sodass es auch gern mit Soho oder Tribeca verglichen wird. Fox schaffte es, anhand seiner ProtagonistInnen ein Abbild der israelischen Gesellschaft zu schaffen, in dem der homosexuelle Tomer trotz seines sehr klischeehaften Auftretens von allen akzeptiert wird – im israelischen Fernsehen damals ein Novum.

Kassenerfolge wie „Yossi & Jagger“ (2002), „Walk On Water“ (2004) und „The Bubble“ (2006) sollten folgen. Fox scheute nicht davor zurück, heiße Eisen wie Homosexualität im militärischen Umfeld oder die Liebe zwischen einem israelischen Reservisten und einem Palästinenser auf die Kinoleinwand zu bringen. Geprägt ist der filmische Blick Fox‘ auf die israelische Armee auch durch persönliche Erfahrungen, die er im Grundwehrdienst und im ersten Libanonkrieg machen musste.

In „Walk On Water“ widmet sich Fox auch dem Thema der Schoah und überrascht mit der klug aufgebauten Entwicklung des zu Beginn toughen, homophoben Mossad-Agenten, der am Ende eine enge Freundschaft zum schwulen Protagonisten und Enkel eines Naziverbrechers knüpft.

Eytan Fox machte sich mit seinen Arbeiten einen Namen als ernsthafter Filmemacher. Auch „Yossi“ (2012), das Sequel zu „Yossi & Jagger, zeigte einen von Trauer um seinen Liebhaber vereinnahmten Charakter, der erst langsam wieder zu sich findet. Daher überraschte der Regisseur zuletzt 2014 viele KinobesucherInnen mit seinem quietschbunten Musicalfilm „Cupcakes“, in dem der schwule Songcontest-Fan Ofer sich und seine Clique ins Finale katapultiert, was die Freundschaft auf eine harte Probe stellt.

Fox überrascht auch nach über zwei Jahrzehnten seine größten Fans noch. Der von vielen kritisierte Fokus auf ausschließlich weißes, aschkenasisches schwules Leben und einer Angepasstheit an heterosexuelle Sehnormen muss sich der Filmemacher dennoch teilweise gefallen lassen. Jedoch ist das auch einer der Gründe, die seine Filme bei einem breiten Publikum beliebt gemacht haben. Eytan Fox‘ mutige Produktionen haben es geschafft, schwules, urbanes Leben auch für all jene greifbar zu machen, die damit bisher wenig bis keine Berührungspunkte hatten. Und Fox wird auch weiterhin filmische Brücken bauen. Unter anderem als Gast beim diesjährigen Jüdischen Filmfestival in Wien.

Ursula Raberger
Geboren 1981 in Linz. Filmwissenschafterin und Mitarbeiterin des internationalen LGBT -Filmfestivals TLVFest in Tel Aviv. Autorin von „Israelischer queerer Film“

Personale Eytan Fox
Spieltermine: (alle in Anwesenheit von Eytan Fox)

Fr, 16.10., 16.30 Uhr De France Yossi & Jagger

Sa, 17.10., 18.00 Uhr De France The Bubble

So, 18.10., 11.00 Uhr De France, Mary Lou

So, 18.10., 15.45 Uhr De France, Walk on Water